Gestaltung der Hauptstraße nach Fertigstellung der L70n

Veröffentlicht am 18.03.2019 in Allgemein

Von Friedemann Bräuer:

„Wie könnte die Hauptstraße in Niedersprockhövel nach der Fertigstellung der L70n aussehen?“ Zur Diskussion über  Antworten auf diese Frage hatte die SPD Sprockhövel zum dritten Mal eingeladen. Und diesmal sollten Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderungen zu Wort kommen. Trotz des widrigen Wetters waren erneut viele Besucher der Einladung ins Forum der Grundschule Börgersbruch gefolgt, und zunächst bat  Marion Prinz, die Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes,  den Planungsdezernenten, den Beigeordneten Volker Hoven, seine Ideen zur Gestaltung der Hauptstraße vorzustellen.

Die Hauptstraße, die derzeit noch eine Landstraße unter der Hoheit von Straßen NRW ist, wird nach Fertigstellung der Umgehungsstraße L70n ein städtischer Verkehrsweg, die so konzipiert werden soll, dass sie für Bürger und Gäste eine größtmögliche Aufenthaltsqualität bekommt.

Hoven hatte in seine Präsentation Schild mit Tempolimit 20 kmh „montiert“ und damit gleichzeitig angedeutet, dass dieser Bereich in erster Linie den Fußgängern gehören soll. Begrünte Bürgersteige und Fahrbahn verschmolzen  per Computersimulation zu einer Einheit auf einer Ebene und vermittelten Großzügigkeit und Bewegungsfreiheit. In seine Vorstellung eingeschlossen hatte Hoven auch den Platz vor der Stadtsparkasse. Der endet  bisher an der Straße, bietet aber als freie Fläche ohne Pollerbeschränkungen großartige  Möglichkeiten. Gleichfalls schwebt dem Dezernenten eine Neugestaltung des Kirchplatzes bei gleichzeitiger Verlegung des Busbahnhofes vor. Wie derartige Verkehrsberuhigungen bürgerfreundlich und unter ästhetischen Gesichtspunkten gelingen können, dafür nannte Volker Hoven die Nachbarstadt Gevelsberg als positives Beispiel.

„Der Baubeginn für die Umgehungsstraße ist zwar erst für 2021 geplant, aber wir möchten schon jetzt die Bürger beteiligen und sie bitten, ihre Vorstellungen einzubringen“,, so Wolfram Junge, der Vorsitzende der SPD-Raktion im Rat, der die Veranstaltung moderierte.

Und dann entspann sich eine rege Diskussion in zwei Gruppen. Die jungen Menschen auf der einen Seite, die sich in einen Teil des Raumes zurückzogen. Die Senioren und Menschen mit Handicap blieben auf ihren Plätzen und hatten einen ganzen Strauß von Ideen, von denen Peter Rist, der Vorsitzende des Seniorenbeirats, etliche vortrug. „Barrierefreiheit“, „Toiletten in  der Nähe der aufzustellenden Bänke“, „erhöhte Sitzflächen mit  Armlehnen und Rückenstützen“, aber auch Spielmöglichkeiten wie Schach und Boule gehörten zu den Vorstellungen  Rists, denen sich auch Dagmar Lock, die Vorsitzende des Behindertenbeirats anschloss und für behindertengerechte Toiletten plädierte. „Und auf die muss auch auf Schildern hingewiesen werden“, so Dagmar Lock.

„Trinkbrunnen und Wasserspiele“ waren Vorschläge, die auch von den jungen Menschen, die unter der Leitung von Luc Stahlhut diskutierten, eingebracht wurden. Bemerkenswert, die erst neun Jahre alt e Antonia, die mit immer fester werdender Stimme unter anderem anregte, dass es am Beginn der zukünftigen Fußgängerzone ein Willkommensschild geben müsse. Volker Hoven zeigte sich davon so angetan, dass er seine spontane Zustimmung erteilte.

 Auch die Anregung „nette Toilette“ traf bei Hoven auf großes Interesse. Da wurde auf die Erfahrungen hingewiesen, die Aalen in Baden-Württemberg gemacht hat, indem sie mit den Gastwirten eine Kooperation eingegangen ist. Die gewähren den Bürgerinnen und Bürgern freien Zugang zu ihren Toiletteneinrichtungen und bekommen die Kosten für deren Wartung von der Stadt ersetzt. Eine „win-win-Situation“ für Kommune,  Gastronomen und natürlich für die Besucher der Innenstadt.

Ein Zuhörer brachte ins Gespräch, dass die Sprockhöveler im Durchschnitt über eine Kaufkraft von 7.870 Euro verfügen, von denen aber nur rund 4.500 Euro in der Stadt blieben.

„Das Angebot der Geschäftswelt muss so gestaltet werden, dass mehr Kaufkraft bei uns in Sprockhövel bleibt“, hieß es. „In der Einkommensskala von NRW steht Sprockhövel an vierter Stelle“, war die allgemein mit Überraschung aufgenommene Botschaft. Gute Ideen, Wünsche  und Anregungen gab es in Fülle in den 90 Minuten  Börgersbruch, bevor Moderator Wolfram Junge allen dankte und der Beigeordnete Volker Hoven anmerkte. „Auch wenn nicht alles umgesetzt werden kann, sind 80 Prozent von etwas mehr als 100 Prozent von nichts.“